„Heutzutage ist die Fahrzeugentwicklung ohne den Einsatz von Simulationswerkzeugen nicht mehr denkbar“

Interview mit Dr. Jochen Schaffnit von der Adam Opel AG vom August 2016

Beim Automobilhersteller Opel arbeitet Dr. Jochen Schaffnit als Technical Integration Engineer Chassis Controls Simulation in der Abteilung Vehicle Performance Simulation. Wir haben mit ihm über die Rolle des virtuellen Fahrversuchs in der Entwicklungsarbeit für klassische Fahrdynamikaspekte sowie im gesamten Active Safety Bereich gesprochen.

 

In Ihrem Entwicklungsprozess setzen Sie den virtuellen Fahrversuch mit CarMaker ein. Wie profitieren Sie vom virtuellen Testen und welche Herausforderungen entstehen gleichzeitig?

Heutzutage ist die Fahrzeugentwicklung ohne den Einsatz von Simulationswerkzeugen nicht mehr denkbar. Der virtuelle Fahrversuch ist bei uns ein integraler Bestandteil geworden und wird in Zukunft an Wichtigkeit noch gewinnen. Gerade wenn man sich die aufwendigen Testfälle für Fahrerassistenzsysteme und Sicherheitssysteme vorstellt, wäre dies im realen Fahrversuch gar nicht möglich, so dass der virtuelle Fahrversuch immer stärker in den Fokus rückt. Auch in anderen Abteilungen sehe ich deutlich steigend die Tendenz dazu, dass immer mehr Entwicklung in die virtuelle Welt verlagert wird. Das bedeutet aber auch, dass der virtuelle Fahrversuch effizient eingesetzt werden muss – die verschiedenen Kollegen müssen auf die gleichen validierten Modelle zugreifen können, um auf demselben Entwicklungsstand zu sein. Bei uns arbeiten immer mehr Personen mit virtuellen Tests – das heißt, dass gleichzeitig viele verschiedene Modelle entwickelt und getestet werden können. Ein wichtiger Aspekt hierbei ist, dass jeder Nutzer zu jeder Zeit den aktuellen, abgesicherten Stand von Modellen, Testruns, Fahrzeugdatensätzen etc. nutzen kann.

CarMaker ist bei Ihnen eine feste Größe: Welche Vorteile bieten sich Ihnen im Entwicklungsprozess?

Ich bin der Meinung, dass der virtuelle Fahrversuch im Entwicklungsprozess verankert sein muss. Nur so ist eine effiziente Entwicklung vor allem in Hinblick auf die Abstimmung der verschiedenen Abteilungen möglich. Hierbei greifen wir z. B. auf die Funktionalität „DataPool“ zurück, die für uns genau zur richtigen Zeit entwickelt wurde. Aber natürlich profitieren wir auch von vielen speziellen Features von CarMaker, da im Bereich aktive Sicherheitssysteme etwa gerade die Umfeldmodellierung extrem wichtig ist. Wenn man jetzt den klassischen Entwicklungsprozess als V-Modell zugrunde legt, dann kann man sagen, dass CarMaker bei uns bildlich gesprochen schon ganz links oben im V, bei der Definition der Anforderungen, eingesetzt wird. Dies ist etwa für die Erfüllung der Euro NCAP-Anforderungen relevant. So ist es möglich, schon während der Definitionsphase, quasi vor der eigentlichen Entwicklung der eigenen Modelle, beurteilen zu können, ob die Anforderungen erfüllt werden können. Und obwohl in dieser Phase z.T. noch vereinfachte Modelle verwendet werden, erzielen wir mit diesem Vorgehen wirklich sehr gute Ergebnisse.

Können Sie einen Blick in die Zukunft werfen, wie der reale und der virtuelle Fahrversuch in Zukunft eingesetzt werden?

In der absehbaren Zukunft wird am Ende der Fahrzeugentwicklung immer noch der Test im realen Fahrzeug zur Validierung stehen. Ich sehe für die Zukunft jedoch durch die Zusatzfunktionen sowie durch die Vernetzung der Funktionen insgesamt einen stark steigenden Testaufwand. Um trotzdem frühzeitig zu testen und aufgrund der schwierigen Verfügbarkeit von realen Fahrzeugprototypen wird der Anteil an virtuellen Tests stark ansteigen.

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Interview mit Dr. Jochen Schaffnit von der Adam Opel AG

Dr. Jochen Schaffnit, Technical Integration Engineer Chassis Controls Simulation in der Abteilung Vehicle Performance Simulation bei Opel über die Rolle des virtuellen Fahrversuchs in der Entwicklungsarbeit für klassische Fahrdynamikaspekte sowie im gesamten Active Safety Bereich.