Der virtuelle Fahrversuch als effizientes Entwicklungs- und Absicherungswerkzeug für das Fahrzeug der Zukunft

Rückblick auf das Open House 2015

Ein volles Haus und 350 zufriedene Teilnehmer waren das Ergebnis vom Open House 2015. Die Veranstaltung hat sich zum Branchentreff rund um das Thema virtueller Fahrversuch etabliert. Dabei bewegten die Gäste dieselben Fragen: Wie kann ich die Fahrzeugentwicklung effizient gestalten? Bei welchen Prozessen kann mich der virtuelle Fahrversuch wesentlich unterstützen? Welche neuen Features kann mir die CarMaker-Produktfamilie für meine tägliche Arbeit bieten?

So vielfältig die Fragen, so vielfältig waren auch die Teilnehmer. Vom Fahrzeugentwickler, Manager, Start-up Gründer bis hin zu Forschungsexperten und interessierten Studenten waren alle Interessengruppen vertreten und auf die möglichen Antworten von IPG Automotive gespannt.

 

 

Steffen Schmidt, Geschäftsführer von IPG Automotive, begrüßte das Publikum und ging gleich auf einen der zentralen Trends im Automobilbereich ein: "Wir sind überzeugt, dass der virtuelle Fahrversuch bei der Absicherung von teil – oder vollautomatisierten Funktionen eine wichtige Rolle spielen wird." Virtuelles Testen wird gerade im Bereich Fahrerassistenzsysteme verstärkt eingesetzt, um dem steigenden Test- und Absicherungsaufwand zu begegnen.

Als Keynote-Sprecher konnte Lothar Rogowski von Continental einen eindrucksvollen Bericht aus der Praxis geben. Dort wird der virtuelle Fahrversuch als Teil der strategischen Ausrichtung bei Continentals ESP-Absicherungsprozess eingesetzt.

Rogowskis Fazit: "Bei Continental haben wir uns europaweit für die IPG-Plattformen für HIL und SIL entschieden. Wir erleben dadurch heute ein deutlich wahrnehmbares Maß an Synergieeffekten."

In vier Themensessions wurden den Zuschauern die aktuellen Herausforderungen im Fahrzeugentwicklungsprozess skizziert und Lösungsmöglichkeiten vorgestellt. Die Live-Demos mit CarMaker haben eindrucksvoll gezeigt, wie mit den richtigen Mausklicks schnell und einfach das gewünschte Testszenario aufgebaut werden kann – dabei hat der ein oder andere Zuschauer bestimmt nützliche Tricks für seine alltägliche Arbeit mitgenommen.

Lothar Rogowski von Continental

Erste Session: ADAS

Ein Überblick über aktuelle Herausforderungen im Bereich Fahrerassistenzsysteme wurde in der ersten Session gegeben: neu entwickelte technische Lösungen, ein hoher Grad an Interaktion, aber auch von außen getriebene Anforderungen wie die Standards der Organisation Euro NCAP. Entsprechende Euro NCAP-Tests wurden in CarMaker gezeigt, da Beispielszenarien in CarMaker in Zukunft verfügbar sein werden. Dabei wurde die Wichtigkeit von Frontloading betont – die Möglichkeit "früher unter realitätsnahen Bedingungen" testen zu können.

Zweite Session: Hardware & Test Systems

Auch in der zweiten Session drehte sich alles um das Thema Fahrerassistenz. Unter dem Schwerpunkt Hardware & Testsysteme wurden mehrere Wirkketten zum Testen von Fahrerassistenzfunktionen präsentiert. Besonders spannend war zu sehen, wie der virtuelle Fahrversuch über den ganzen Entwicklungsprozess hinweg durchgängig eingesetzt werden kann – von Model-in-the-Loop, bis Software- und Hardware-in-the-Loop bis hin zu Vehicle-in-the-Loop. Dabei entwickeln die Ingenieure immer wieder neue Lösungen für neue technologische Herausforderungen, z. B. die VideoInterfaceBox für das Testen von kamerabasierten Assistenzfunktionen, die in Fahrzeugen zunehmend eingesetzt werden. Verschiedene Module und Testsysteme aus dem Bereich Hardware, wie etwa die Lösungen der IPG-eigenen Hardware Xpack4, tragen dazu bei, neue Systeme mit Lösungen aus einer Hand zu testen und Steuergeräte oder Sensoren, z. B. bei Crashtests und Situationen für aktive Fahrerassistenzsysteme, durchgängig und effizient zu entwickeln.

Dritte Session: Powertrain

Die dritte Session Antriebsstrang konzentrierte sich neben konventionellen Systemen vorwiegend auf die Möglichkeiten zum Testen von elektrifizierten und hybriden Antriebssträngen. Eindrucksvoll wurde mit einem Ego- und einem Ghostfahrzeug in CarMaker das sogenannte Turboloch demonstriert. Dank umfassender Schnittstellenerweiterung ist es nun noch einfacher, eigene Modelle in den virtuellen Prototypen von CarMaker zu integrieren.

Vierte Session: Regelsysteme & Fahrdynamik

Abschließend gab die letzte Session einen Überblick zu Herausforderungen und Neuerungen im Bereich Regelsysteme & Fahrdynamik. Live auf der Bühne fand die Vorführung des deutlich weiterentwickelten Testautomatisierungs-Werkzeugs TestManager zur optimierten Generierung und automatisierten Bewertung von Ergebnissen statt. Ebenfalls live wurde gezeigt, wie zwei CarMaker gekoppelt wurden, um zu sehen, wie sich zwei autonome Fahrzeuge verhalten, wenn sie aufeinander treffen – denn das ist eine der zentralen Herausforderungen in der Fahrzeugentwicklung

Begleitende Fachausstellung und Driving Action

Zwischen den Sessions wurde in der begleitenden Fachausstellung die Möglichkeit geboten, sich an 26 Ständen über konkrete Anwendungsszenarien des virtuellen Fahrversuchs zu informieren – vom Fahrsimulator über Getriebesimulation bis hin zur Validierung von Steuergerätesoftware mithilfe von komplett virtuellen Steuergeräten mit CarMaker.

Ein weiteres Highlight war wie bereits im letzten Jahr die Vorführung der Vehicle-in-the-Loop-Methode. Hierbei gab es jedoch eine entscheidende Weiterentwicklung: Die Besucher konnten sich eine Brille (Head-mounted Display) aufsetzen, durch die sie ein virtuelles Szenario sahen, während sie in einem realen Fahrzeug saßen. Dank der See-through-Technik (Augmented Reality) verschmelzen die reale Umgebung und die virtuellen Verkehrsteilnehmer. Das Auto parkte auf dem Freigelände anschließend in eine virtuelle Parklücke ein – „einfach beeindruckend“, so das Fazit der Mitfahrer.

Das gemeinsame Interesse am virtuellen Testen hat die Teilnehmer auf dem Open House 2015 miteinander verbunden. Der Nachwuchs steht auch schon in den Startlöchern – das hat nicht nur das Projekt des Gymnasiums Tegernsee gezeigt, bei dem bereits in der Schule CarMaker zur Analyse von Verkehrssituationen vor dem Schulgebäude genutzt wurde. Am Ende der Veranstaltung wurde der 1. SimulOscar-Preis verliehen, bei dem Tobias Loritz vom Karlsruher Institut für Technologie den 1. Platz mit seiner Bachelorarbeit "Autonomes Fahren – Funktionsentwicklung von unterstützenden‐ und autonomen Lenksystemen im Kontext X‐in‐the‐Loop (XIL)" belegte.

Auf der Open House Party im Anschluss an die Vorträge konnten die Teilnehmer in einer gemütlichen Atmosphäre die Ergebnisse des Tages Revue passieren lassen und mit Kollegen und Experten aus anderen Bereichen ins Gespräch zu kommen. Das Open House wird auch 2016 wieder zur Plattform, um sich zu CarMaker, den Hardwareprodukten und aktuellen Projekten auszutauschen und sich über die Lösungen, die die CarMaker-Produktfamilie zu den aktuellen Herausforderungen bietet, zu informieren.