Archiv Newsletter 2015 ()

Ein perfektes Duo - Euro NCAP-Testszenarien mit CarMaker prüfen

Das Release CarMaker 5.0 enthält in der Standardversion drei vorkonfigurierte TestRuns, die den Euro NCAP-Vorgaben entsprechen.

Was dahinter steckt: Bewertungskriterien und wie diese vorab virtuell getestet werden können

Neben passiven Sicherheitssystemen finden auch aktive Sicherheitssysteme zunehmend Verbreitung. Grund dafür sind die Vision vom unfallfreien Fahren, der Wunsch nach schneller Durchdringung des Massenmarktes mit Sicherheitssystemen sowie natürlich die Erfüllung des Kundenwunsches nach mehr Sicherheit. Bei Pkw gehören noch immer viele Sicherheitssysteme zur freiwilligen Ausstattung, auch wenn ihre Häufigkeit zunimmt und zunehmend mehr aktive Sicherheitsfunktionen in neuzugelassenen Fahrzeugen eingebaut sind. Das heute schon sehr hohe Sicherheitsniveau wird durch weltweite unabhängige Testinstanzen (z. B. ADAC, JNCAP, IIHS etc.) stets weiter verbessert.

Euro NCAP – Ziele und neuer Test ab 2016

Eine wichtige Rolle nimmt die Organisation Euro NCAP (European New Car Assessment Programme) ein, die seit 1997 verschiedene Aufpralltests durchführt und die Fahrzeuge entsprechend klassifiziert. Bei Euro NCAP gehen die Sicherheitsvorgaben in der Regel weit über den gesetzlichen Standard hinaus, da die Organisation den Verbraucherschutz als wichtiges Ziel hat. Im Bereich Sicherheit werden daher hohe Anforderungen definiert, denen die OEMs nachkommen wollen. Die auf Punkten basierende Bewertung der Organisation ist mittlerweile sehr bekannt. Im Laufe der Zeit wurden die Kriterien stetig überarbeitet und erweitert. Im Zuge dessen werden ab 2016 Tests von Notbremsassistenzsystemen (AEB VRU = Autonomous Emergency Braking Vulnerable Road Users) verpflichtend eingeführt. Sie sind die Voraussetzung für die höchste zu erreichende Punktzahl, die mit dem neuen Bewertungssystem "Dual Rating" festgelegt wird.

Einfach und effizient: Euro NCAP-Szenarien virtuell testen

Der Testaufwand für diese Szenarien, in denen nicht nur das zu testende Fahrzeug, sondern auch das Umfeld eine große Rolle spielt, ist jedoch hoch. Es werden viele Objekte sowie Verkehrsteilnehmer benötigt. Gleichzeitig müssen Tests den Anspruch nach Reproduzierbarkeit erfüllen. Das virtuelle Testen bietet hierbei im Vergleich zu realen Aufbauten enorm viele Zeit- und Kostenvorteile. Um die Kunden in Bezug auf die Euro NCAP-Testszenarien zu unterstützen, verbessert IPG Automotive sein Produkt stetig, z. B. mit der Möglichkeit jetzt realitätsnahe Fußgängermodelle zu verwenden. Zusätzlich bietet IPG Automotive seit dem Release von CarMaker 5.0 drei vorkonfigurierte TestRuns für Fußgängerschutz (Stichwort Notbremsassistent – AEB VRU) an, die Basis für einen kompletten Euro NCAP-Testkatalog. Die Testfälle definieren sich durch Fußgänger, die auf die Straße treten. Drei Fälle werden getestet und sind in CarMaker umgesetzt:

  • Szenario A: Ein erwachsener Fußgänger betritt die Straße auf Seite der eigenen Fahrbahn (d. h. für Rechtsverkehr kommt er von rechts).
  • Szenario B: Ein erwachsener Fußgänger kommt von der Gegenfahrbahn (linke Seite) auf die Straße.
  • Szenario C: Ein Fußgänger, in diesem Fall ein Kind, wird von einem stehenden Fahrzeug am Seitenrand verdeckt und rennt von der eigenen Straßenseite auf die Straße.

Vorgehen beim Einsatz des virtuellen Fahrversuchs

Diese Szenarien entstammen realen, alltäglichen Gefahrensituationen und eigenen sich daher gut, um die Funktionalität eines Notbremsassistenten zu testen. Sie verdeutlichen auch, dass dessen Funktionieren essenziell ist, um Personenschaden abzuwenden. Die Anforderung lautet, dass die AEB VRU-Systeme die Fußgänger bei einer Geschwindigkeit zwischen 3 und 8 km/h erkennen müssen. Mit den vorhandenen Mechanismen im virtuellen Fahrversuch lassen sich verschiedene Parameter (beispielsweise die Geschwindigkeit) einfach und gezielt variieren. So kann die Auswirkung auf die Euro NCAP-Bewertung durch unterschiedliche Testvariationen schnell überprüft werden. Möglich wird auch die Betrachtung der einzelnen Assistenzfunktionen im Systemverbund. Dank der Sensordatenfusion lassen sich auch so Assistenzfunktionen testen, die auf mehr als einen Sensortyp als Datenquelle zugreifen. Dies wird vor allem im Zuge von hochautomatisierten Fahrfunktionen zunehmend der Fall sein, um die Aktion des Fahrzeugs aus mehreren Quellen abzusichern.

Sicherheit als zentraler Faktor in der Entwicklung

Das Thema Sicherheit wird weiter an Wichtigkeit gewinnen und die Vorgaben von Euro NCAP werden bereits in den frühen Phasen der Entwicklung eine Rolle spielen, da die einwandfreie Funktion sicherheitsrelevanter Systeme immer gewährleistet sein muss. IPG Automotive strebt daher an, zu Euro NCAP auch in Zukunft weitere Lösungen zur Verfügung stellen, um dem Kunden die Arbeit zu erleichtern (z. B. müssen sie so die Testszenarien nicht manuell konfigurieren). Auch die vollständige Auswertung bezüglich der zu erwartenden Punktzahl soll zukünftig als Zusatzoption angeboten werden. Mit den Neuerungen ab 2016 ist sind die Neuregelungen von Euro NCAP längst nicht abgeschlossen – wie in der Vergangenheit auch können die Automobilhersteller davon ausgehen, dass im Laufe der Zeit zusätzliche Tests für neue Funktionen eingeführt werden. Darüber hinaus strebt die Organisation eine globale Harmonisierung der Verbraucherschutztests an, wodurch eine Anpassung der einzelnen Regularien und Testprozeduren zu erwarten ist. Lesen Sie mehr zu Euro NCAP auf der offiziellen Seite der Organisation: www.euroncap.com